Jil Lüscher
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Kolumnen



Bauch oder Kopf – wer sagt die Wahrheit? Wenn wir das wüssten! Es gibt Menschen, die eher auf den Verstand setzen. Realisten, die ohne doppelten Boden und Auffangnetz nicht leben könnten. So mögen sie sich zwar stets auf der sicheren Seite wähnen, ob das selig macht, ist allerdings eine andere Frage. Schauen wir uns die Bauchmenschen an: Sie schlagen gut gemeinte Ratschläge gerne mal in den Wind und setzen auch dann auf die Karte Risiko, wenn die Vernunft Alarm schlägt. Auch diese Lebenseinstellung macht nicht zwingend glücklich, jedenfalls nicht alle. In einer Beziehung zum Beispiel kann das zu Spannungen führen. Frauen neigen eher zu Zurückhaltung als Männer. Klar heisst es, wer nichts wagt, gewinnt nicht, umgekehrt gilt aber auch: kein Risiko, kein Schaden. Offen bleibt somit die Frage, ob man nun mit Kopf oder Bauch besser fährt. Vermutlich gilt auch hier, wie so oft Leben, dass die Wahrheit in der Mitte liegt, also zwischen Kopf und Bauch. Wie wir wissen, befindet sich dort das Herz. Jil Lüscher

Es stimmt, Wespen können lästig sein. Vor allem dann, wenn sie sich selber zum Essen einladen und einen Luftangriff nach dem anderen auf unsere Teller starten. Oder wenn sie ihr Nest unter unserem Dach bauen. Wer hat diese Viecher schon gerne als Haustiere? Wespenstiche tun weh und können für Menschen mit Allergie gefährlich sein. Wespen sind im Unterschied zu Bienen keine «Nutztiere», sie bringen uns keinen Honig. Ihre einzige Motivation ist die Arterhaltung und daneben ein möglichst angenehmes Leben zu führen. Das heisst, Wespen sind aus unserer Sicht nichts als Egoisten! So gesehen ist die Wespe dem Menschen eigentlich sehr ähnlich. Auch wir können stechen und lästig sein. Und wenn ich Zeitung lese, Radio höre und die Tagesschau sehe, frage ich mich immer öfter, welchen Nutzen wir denn zum Gesamtwohl unserer Mutter Erde beitragen...? Jil Lüscher

Englische Wörter und Ausdrücke drängen in die deutsche Sprache. Wir entspannen nach Feierabend nicht, wir relaxen. Am besten suchen wir dazu die Lounge auf. Dort ist Chillen angesagt, dazu ein wenig Chatten oder Sound auf dem SmartPhone downloaden, natürlich zu einem Longdrink. Am Wochenende steht Shoppen oder der Besuch eines Events auf dem Programm. Dabei immer darauf achten, dass die Kids etwas zu fooden haben. Viele Dates sind ein Anzeichen dafür, dass es im Business gut läuft. Busy sein ist hip, Zeit haben ist out. Ein No-go ist es, Berufsbilder auf Deutsch zu schreiben: Was früher Hauswart hiess, nennt sich Facility Manager, ein Chefverkäufer ist Sales Director, zuständig für die Key Accounts. Und der Web Developer sorgt dafür, dass im Fundraising das Custom Relationship Management optimal funktioniert, damit das Mailing einen hohen Impact erzielt. – Oh shit (sorry), das ist jetzt fast too much. Egal, Hauptsache, die Message kommt an. Falls nicht, no problem – einfach immer schön cool bleiben. Jil Lüscher

Abschlussprüfungen, kurz AP genannt – zwei Buchstaben, die das Leben vieler junger Menschen zum Ende der Ausbildungszeit dominieren. Ich erinnere mich: Die einzige AP, auf die ich mich wirklich gefreut habe, war die Autoprüfung. Der Rest gehört in die Kategorie Stress – vielleicht, weil mir schultechnisch gesehen das Image «trainingsfaul» anhaftet(e). Dass Talent hilfreich sein kann – aber auch gefährlich, musste ich in einzelnen Fächern schmerzhaft erfahren. Rückblickend gesehen darf ich sagen «egal», das Schöne an unserem Bildungssystem ist, dass man seinen Traumjob auch über Umwege erreichen kann. Diese Erkenntnis ist für Jugendliche oft einfacher zu akzeptieren als für Eltern. Apropos Eltern: Die wichtigste Navigationshilfe für mein Leben hat mir mein Vater mit auf den Weg gegeben: «Wenn du erfolgreich sein willst, denk immer daran, es kommt nie darauf an, was man macht, sondern nur, wie man es macht!» Stimmt. Jil Lüscher

Der Placebo-Effekt greift auch dann, wenn ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass es sich um ein Placebo – also um ein Scheinmedikament ohne Arzneiwirkstoff handelt. Das hat die Forschung jetzt herausgefunden. Konkret: Kindern, die unter dem Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom ADS leiden, wurden anstelle echter Arznei, Zuckerpillen verabreicht. Im vollen Wissen der Kinder und ihrer Eltern. Das Resultat: kein negativer Einfluss, im Gegenteil. Bei einigen Kindern konnte sogar eine stärkere Wirkung der Scheinmedikamente festgestellt werden. Seltsam, seltsam! Von einem Laien wie mir weitergedacht, würde das heissen, dass eben diese Kinder keine Chemie brauchen, um ihr ADS lindern zu können. Es reicht offenbar, wenn man ihnen das Gefühl gibt, ihnen werde geholfen. Vieles läuft gerade bei Kindern und Jugendlichen auf der Gefühlsebene ab. Wenn wir Erwachsenen das aber nicht merken und «Hilferufe» mit Chemie bekämpfen wollen, sind es eigentlich wir, die akut unter einem Aufmerksamkeits-Defizit leiden. Jil Lüscher

Erinnern Sie sich noch an Ebola, diese fatale Krankheit, die für Betroffene meist tödlich endet? Ebola war über Wochen ein mediales Megathema. Und jetzt? Sind die Menschen im stark betroffenen Kontinent Afrika geheilt? Ist das Problem medizinisch gelöst? Warum berichtet niemand mehr darüber? Neue Katastrophen, frisches Unglück drängen in die Schlagzeilen. Auch Desaster haben scheints ein Interessen-Verfalldatum, egal, ob sie noch zerstörerisch sind oder nicht. Unsere Gesellschaft hat es halt irgendwann «gesehen» und sehnt sich nach neuem Elend. Wenn es geht, nicht zu weit weg, aber auch nicht zu nahe – nur gucken, nicht selber betroffen sein! Das Schreckliche übt auf die Menschheit seit jeher eine eigenartige Faszination aus. Öffentliche Hinrichtungen waren immer ein Publikumsmagnet, und kracht es auf der Autobahn, ist der Stau auch in der Gegenrichtung garantiert – Gaffer lassen grüssen. Kurios: Dort, wo es niemandem hilft, strecken wir unsere Hälse lang. Dort, wo es nötig wäre, schauen wir gerne weg. Jil Lüscher